Dreiste Abzocke? Veganer Käse ist sechsmal teurer – trotz billiger Inhaltsstoffe

Vegane Lebensmittel erobern die Lebensmittelregale – und machen die Hersteller reich. Denn sie kosten meist ein Vielfaches der herkömmlichen Produkte, obwohl die Inhaltstoffe oft billiger sind. FOCUS Online erklärt, was in den Produkten steckt.

Wer zu veganen Lebensmitteln greift, ist von vorneherein bereit, mehr Geld für seine Ernährung auszugeben. Denn Produkte mit der Bezeichnung "vegan" sind meist teurer als herkömmlicher Käse, Joghurt oder das Schnitzel. Dabei bezahlt der Verbraucher offenbar für das gute Gewissen, denn die Lebensmittel kommen ohne tierische Zutaten aus. Am Preis der Inhaltsstoffe liegt der hohe Endpreis eher nicht.

Das bestätigte auch Britta Schautz, Ernährungsexpertin des Verbraucherschutz Berlin: "Diese Produkte sind relativ teuer. Vegan ist hip. Natürlich bezahlt der Verbraucher für dieses Lifestyleprodukt."

Veganer Käse sechsmal teurer als tierisches Produkt

Lebensmittelexperte Sebastian Lege testet für die ZDF-Doku "Die Tricks der Lebensmittelindustrie", was in veganem Gouda-Ersatz steckt – und rechnet hoch: Gouda gibt es im Supermarkt für 0,69 Euro pro 100 Gramm. Die gleiche Menge veganer Käse ist mit 1,93 bis 1,99 Euro fast dreimal so teuer.

Bei Streichkäse ist der Preisunterschied noch gravierender: 1,99 Euro bei veganem Aufstrich gegenüber 0,33 Euro bei herkömmlichem Frischkäse – das ist etwa der sechsfache Preis. Bei Parmesan ist das vegane Produkt mit 3,49 Euro um zwei Euro teurer als das tierische Erzeugnis.

Hoher Verkaufspreis trotz billiger Inhaltsstoffe und einfacher Herstellung

In seiner Food-Werkstatt demonstriert Lebensmittelexperte Lege für die TV-Sendung, wie sich veganer Käse herstellen lässt: Die Kuhmilch wird meist durch Mandelmilch ersetzt, die deutlich billiger ist. Kokosöl sorgt für das normalerweise in der Milch enthaltene Fett.

"Teuer ist auch das nicht, 250 Gramm bekommt man für rund einen Euro", sagt Lege. Für den Geschmack, die Farbe und den Biss werden Käse-Aroma, Beta-Carotin, Stärke und Salz hinzugefügt. Statt den Käse aufwendig zu lagern und reifen zu lassen, kommt die Masse nur zehn Minuten in den Kühlschrank.

Vegan ist ein Lifestyle und entsprechend teuer

Der Verzicht auf tierische Zutaten oder Produktionsverfahren, für die Tiere gebraucht werden, rechtfertigen den höheren Preis von veganem Käse nicht, meint Lege. Auch viele andere Fleisch- oder Wurst-Ersatzprodukte bestünden zum größten Teil aus billigen Zutaten. Hier werde eher die Bereitschaft der Kunden ausgenutzt, für die Vermeidung von Tierleid auch mehr zu bezahlen. Das sei ein Riesengeschäft, der Vegetarierbund ProVeg schätzt, dass sich hierzulande acht Millionen Menschen vegetarisch und gut eine Million vegan ernähren.

"Wenn ich mir die Zutatenliste der veganen Käse ansehe, dann sieht die ähnlich aus wie zu dem früheren Analogkäse", bestätigt Ernährungsexpertin Britta Schautz. "Die Inhaltstoffe müssen bei veganem Käse nicht besser sein. Gerade die veganen Käsealternativen enthalten viele gesättigten Fette, die der Verbraucher eigentlich eher meiden sollte."

Weniger Kalzium, mehr Salz – vegan nicht automatisch gesünder

Veganer Schnittkäse hat genauso viele Kalorien wie herkömmlicher, enthält aber oft mehr Salz, weniger Kalzium, Konservierungsstoffe und Aromen. Problematisch ist vor allem, dass er hauptsächlich aus Kokosöl oder billigem Palmfett und Stärke besteht.

"Diese Öle sind nicht so hochwertig, denn sie enthalten nicht so viele ungesättigte Fettsäuren", erklärt Katharina Scherf vom Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München gegenüber FOCUS Online. "Olivenöl, Rapsöl oder Leinöl sind da bessere Lieferanten, aber damit bekommt man die Käsekonsistenz nicht hin. Raffiniertes Kokosöl dagegen ist bei Raumtemperatur fest. Das ist einfacher zu verarbeiten."

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