WHO empfiehlt höchstens sechs Teelöffel Zucker

Hamburg – Wer gesund leben möchte, sollte laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) höchstens zehn Prozent seiner täglichen Kalorien in Form von Zucker aufnehmen. Noch besser sei es, den freien Zucker gleich auf fünf Prozent zu reduzieren, also höchstens 25 Gramm pro Tag zu sich zu nehmen, heißt es in einer neuen Richtlinie. Das entspricht etwa sechs Teelöffeln pro Tag.

Als kritischer, freier Zucker gilt dabei aller Zucker, der Speisen und Getränken zugesetzt wird sowie Zucker, der natürlicherweise in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten enthalten ist.

Die neuen Richtlinien, die am Mittwoch in Genf veröffentlicht wurden, sollen helfen, die weltweite Übergewichtsepidemie zu stoppen. Immer mehr Menschen bringen zu viele Kilos auf die Waage und haben dadurch ein erhöhtes Risiko für Krankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Leiden.

Ketchup: Ein Esslöffel Soße, ein Teelöffel Zucker

„Wir haben gute wissenschaftliche Belege dafür, dass ein Anteil an freien Zuckern von weniger als zehn Prozent der Energiezufuhr das Risiko für Übergewicht, Fettleibigkeit und Karies reduziert“, sagt WHO-Experte Francesco Branca.

Anders verhält es sich beim Zucker, der von Natur aus in Obst, Gemüse und Milch steckt. Im Zusammenhang mit seinem Konsum haben Forscher bisher keine negativen Folgen nachweisen können. Laut den neuen Empfehlungen ist eine Einschränkung in dem Fall nicht notwendig.

Stattdessen warnt die WHO vor allem vor sogenannten versteckten Zuckern: Ein Großteil der Menge, den man Tag für Tag aufnehme, befinde sich in verarbeiteten Lebensmitteln, die gar nicht als süß angesehen werden würden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Als Beispiel nennt sie Ketchup: In einem Esslöffel der Tomatensoße steckt etwa ein Teelöffel Zucker – ein sechstel der empfohlenen Tagesration. Noch kritischer sind Limonaden. Allein ein Glas Cola (250 Milliliter) enthält mit 27 Gramm mehr Zucker, als man am Tag konsumieren sollte.

DGE: Zähne profitieren, die Figur nur vielleicht

Die jetzigen Empfehlungen der WHO sind nicht ganz neu, allerdings haben sie sich verschärft. Eine Expertengruppe hatte bereits 1989 dazu geraten, den Anteil an freien Zuckern auf zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr zu reduzieren, etwa 50 Gramm pro Tag. Neu ist jedoch der Ratschlag, die Zufuhr sogar auf fünf Prozent abzusenken, falls das möglich ist.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht die WHO-Empfehlungen eher kritisch. Ihr reichen die wissenschaftlichen Belege für einen Zusammenhang von Fettleibigkeit und Zuckerzufuhr noch nicht aus. Der Austausch von Zucker durch andere Kohlenhydrate mit derselben Kalorienmenge führte in den Studien nicht dazu, dass die Teilnehmer abnahmen, kritisiert sie in einem Kommentar zum Entwurf der WHO-Empfehlungen.

Eindeutiger sei die Studienlage beim Risiko von Limonaden, schreibt die DGE. Auch der Zusammenhang von Karies und einem häufigen Konsum gezuckerter Lebensmittel sei durch Studien belegt.

Schaden würde es auf jeden Fall nicht, wenn viele Menschen täglich ein wenig Zucker einsparen würden, im Gegenteil. In Deutschland nimmt der Durchschnittbürger rund 36 Kilogramm Zucker pro Jahr zu sich. Das entspricht knapp hundert Gramm pro Tag – weit mehr, als auch die DGE empfiehlt.

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