Auf einmal doch Plan B: Boris Johnson kündigt Verschärfung von Corona-Regeln an

Wegen der Omikron-Variante werden drei Impfungen die Regel sein, erklärt Lauterbach. Ein neuer Impfstoff soll bis März kommen. Großbritannien verschärft die Corona-Regeln. Alle Neuigkeiten zur Pandemie finden Sie hier im News-Ticker von FOCUS Online.

News zu Corona vom 9. Dezember

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Stark steigende Zahlen: Johnson verschärft die Corona-Regeln in Großbritannien

Donnerstag, 9. Dezember, 07.09 Uhr: Der britische Premierminister Boris Johnson hat wegen stark steigender Infektionszahlen eine weitere Verschärfung der Corona-Maßnahmen für England angekündigt. Johnson kündigte am Mittwoch Zugangsbeschränkungen für Großveranstaltungen an. Bürger müssen nun einen Nachweis der Corona-Impfung oder eines negativen Tests vorzeigen, bevor sie in Fußballstadien oder Nachtclubs dürfen. Außerdem wurde die Maskenpflicht auf die "meisten öffentlichen Gebäude" ausgeweitet. Die Maßnahmen gelten ab nächster Woche.

Bislang waren Masken in England nur in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Geschäften gesetzlich vorgeschrieben. Johnson rief die Bevölkerung zudem dazu auf, nach Möglichkeit von Zuhause aus zu arbeiten und die angebotenen Auffrischungsimpfungen in Anspruch nehmen.  Jeremy Selwyn/Evening Standard/PA Wire/dpa Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, hält ein Fläschchen mit Impfstoff von Astrazeneca während seines Besuchs in dem Corona-Impfzentrum des Zentrums für Gesundheit und Wohlbefinden in Orpington.

Er begründete die Verschärfungen mit dem vermehrten Auftreten der neuen Omikron-Variante des Coronavirus. Gesundheitsminister Sajid Javid zufolge wurden bislang 568 Fälle bestätigt – die wahre Zahl liege aber "wahrscheinlich näher an 10.000". Johnson sagte, es werde immer deutlicher, dass Omikron sich "viel schneller" ausbreitet als die bisher dominierende Delta-Variante, und "wir können noch nicht davon ausgehen, dass Omikron weniger schwerwiegend ist als frühere Varianten".

"Wir müssen angesichts dieses Virus demütig sein", sagte der Premierminister, der wegen eines erneuten Skandals um mutmaßliche Regelbrüche durch Regierungsmitarbeiter stark in der Kritik steht. Seine engsten Mitarbeiter hatten Berichten zufolge im vergangenen Jahr mitten im Corona-Lockdown, als täglich hunderte Menschen am Virus starben, eine Weihnachtsfeier gefeiert. Seine Beraterin und ehemalige Sprecherin Allegra Stratton trat wegen eines Videos zurück, auf dem sie über die Party Scherze riss.

22.53 Uhr: Der neue Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat angesichts der neuen Omikron-Variante die Dringlichkeit einer dreifachen Impfung hervorgehoben. Die "neue Realität" sei nun: "Die Impfung ist erst abgeschlossen, wenn man dreimal geimpft wurde." Es gelte nicht mehr zweimal Impfen für einen vollständigen Schutz und danach eine Booster-Impfung zur Auffrischung, sondern: "Man braucht drei Impfungen, um überhaupt vor Omikron einigermaßen geschützt zu sein", erklärte der SPD-Politiker am Mittwochabend im heute journal. Er warnte: "Sonst kommen wir hier nicht klar. Und wir müssen dafür sorgen, dass Omikron so spät kommt wie möglich."

Man hätte zwei Säulen zur Bekämpfung der Pandemie zur Verfügung: Erstens so viele Booster-Impfungen wie möglich und zweitens eine Impfpflicht, so Lauterbach. Wenn die Omikron-Welle Deutschland erreiche, wäre "2G dann erreicht, wenn man die dritte Impfung hat".

Er warnte: Die Omikron-Variante verbreite sich nicht nur schneller, sondern befalle leider auch Kinder stärker. "Wir müssen hier vorbauen", so Lauterbach. Er hofft auf eine Stiko-Bewertung auch für junge Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren. "Ich persönlich, als Wissenschaftler gesprochen, glaube, dass die Impfung die bessere Wahl ist im Vergleich zur Erkrankung", sagte er im Hinblick auf diese Altersgruppe.

Abschließend sagte er: "Ich hoffe, diese Pandemie mit den Kräften des Hauses und den Wissenschaftlern, mit denen ich sehr eng zusammenarbeite, beenden zu können. Das ist die Aufgabe, an der ich mich auch messen lassen muss", so Lauterbach.

Inzidenz über 1000: Thüringen ächzt unter Corona – erster Landrat will Katastrophenfall ausrufen

22.24 Uhr: Thüringen hat eine horrende Inzidenz von 1028,0 (Stand: 8. Dezember) – und nach Auffassung einiger Kommunen tut die Landesregierung zu wenig dagegen. Deswegen wollen Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein sowie Matthias Jendricke, Landrat von Nordhausen, den Katastrophenfall ausrufen. Das erklärten die beiden SPD-Politiker bei einem gemeinsamen Treffen im Rathaus der thüringschen Landeshauptstadt.

Mit dieser Maßnahme wollen Bausewein und Jendricke dem Infektionsgeschehen und der prekären Situation in den Kliniken entgegenwirken. Diese würde ihnen auch erlauben, die Schul-Weihnachtsferien vorzuziehen und zu verlängern. Dadurch könnte laut Jendricke verhindert werden, dass die Schüler das Virus zur Weihnachtszeit in ihre Familien tragen. Bisher hatte die Landesregierung um Regierungschef Bodo Ramelow (Die Linke) aber auf eine Verlängerung der Ferien verzichtet. "Wenn wir uns auf das Land verlassen, sind wir verlassen", sagte er laut "Bild". Scheinbar habe das Landesgesundheitsministerium keinen Fahrplan für Inzidenzen über 1000.

Auf Grund dessen wolle der Nordhäuser Landrat nun selbst aktiv werden. "Ich werde am 17. Dezember den Katastrophenfall ausrufen, der bis Anfang des Jahres gilt", sagte Jendricke. Dieser erlaube ihm, die Schulen unabhängig vom Land ab dem 20. Dezember zu schließen.

Bausewein hingegen wolle der Landesregierung noch eine Woche Zeit geben. Ansonsten werde er eigenmächtig die Weihnachtsferien in Erfurt verlängern. "Wenn das Land nichts tut und nur auf Wunder wartet, müssen wir selbst reagieren", sagte der Oberbürgermeister. "Sonst verlieren wir komplett die Kontrolle."

20.04 Uhr: Der britische Premierminister Boris Johnson hat eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen in England angekündigt. "Es ist zunehmend klar geworden, dass Omikron sich sehr viel schneller ausbreitet als die Delta-Variante", sagte der konservative Regierungschef am Mittwoch bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in der Londoner Downing Street. In Großbritannien wurden Johnson zufolge bisher durch Genom-Sequenzierung bereits 568 Omikron-Fälle bestätigt.

Die Maßnahmen sehen unter anderem die Aufforderung zum Arbeiten von zuhause vor, zudem eine Maskenpflicht für Theater und andere Veranstaltungen sowie die Pflicht zum Vorlegen eines Immunitätsnachweises oder eines negativen Testergebnisses beim Einlass zu Großveranstaltungen und Nachtclubs. Die Regelungen sollen im Laufe der kommenden Woche schrittweise in Kraft treten.

Eigentlich wollte Johnson eine Rückkehr zu Corona-Maßnahmen nach deren fast vollständiger Aufhebung zum "Freedom Day" am 19. Juli unbedingt vermeiden. Der Tory-Politiker hatte die schrittweisen Lockerungen stets als "vorsichtig, aber unumkehrbar" bezeichnet. Später schuf er sich jedoch mit Plan B eine Hintertür.

Kleinere Schritte wie die Wiedereinführung einer Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln hatte die Regierung bereits vollzogen. Gegen schärfere Maßnahmen gab es jedoch in Johnsons Konservativer Partei erheblichen Widerstand.

Die Einführung von Plan B kommt nun zu einem heiklen Zeitpunkt. Johnsons Glaubwürdigkeit wird wegen Berichten über eine Weihnachtsparty seiner Mitarbeiter während des Lockdowns im vergangenen Jahr im Regierungssitz in der Downing Street noch mehr als sonst in Frage gestellt. Es gibt daher Zweifel, ob in der Bevölkerung noch ausreichend Bereitschaft da ist, den Anweisungen der Regierung Folge zu leisten.

Forscher finden "getarnte" Omikron-Variante

16.27 Uhr: Schlechte Nachrichten im Kampf gegen die neue hochansteckende Corona-Virusvariante Omikron. Untersuchungen aus Großbritannien legen nahe, dass eine sogenannte "Stealth-Variante" von Omikron mittels PCR-Test nicht als solche identifiziert wird.

Zwar werde eine Corona-Infektion erkannt, allerdings lasse sich die "getarnte" Variante nicht als Omikron-Virusvariante identifizieren, berichtet der britische "Guardian". Die Stealth-Variante habe zwar viele Mutationen mit der Standard-Omikron-Variante gemeinsam, doch fehle ihr eine bestimmte genetische Veränderung, die es ermöglicht, laborgestützte PCR-Tests als grobes und schnelles Mittel zum Aufspüren wahrscheinlicher Fälle einzusetzen. Zu einer eindeutigen Identifizierung benötige es nach einem positiven Coronabefund deshalb weitere Laboruntersuchungen, sogenannte Genom-Tests.

"Es gibt zwei Linien innerhalb von Omikron, BA.1 und BA.2, die sich genetisch stark unterscheiden", sagte Francois Balloux vom University College London gegenüber dem "Guardian". Beide Linien verhielten sich möglicherweise unterschiedlich. "Sollte sich die neue Untervariante schnell ausbreiten, könnte sie ebenfalls als besorgniserregend eingestuft werden."

NRW-Gesundheitsministerium teilt mit: Impfungen für Kinder ab kommender Woche Freitag

14.57 Uhr: Die Impfung von Kindern zwischen fünf und elf Jahren startet in Nordrhein-Westfalen am 17. Dezember. Das teilte das NRW-Gesundheitsministerium, berichtet der "WDR". Vor allem Kinder- und Jugendmediziner sollen demnach impfen, damit die Impfungen möglichst kindgerecht verlaufen und Eltern umfassend beraten werden können.

Erste Biontech-Daten zu Omikron: Booster hilft noch, aber bis Ende März soll neuer Impfstoff kommen

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13.11 Uhr: Die Impfstoffhersteller Biontech & Pfizer hat in einer offiziellen Mitteilung vorläufige Ergebnisse einer Laborstudie veröffentlicht, die zeigen, dass drei Impfdosen ihres Impfstoffs die Omikron-Variante (B.1.1.529) neutralisieren. Nur zwei Impfdosen führen hingegen zu signifikant geringerer Neutralisation. Eine dritte Dosis des Vakzins erhöhe demnach die neutralisierenden Antikörper um das 25-fache.

Da allerdings 80 Prozent des Spike-Proteins nicht von Mutationen in der Omikron-Variante betroffen sind, könnte eine zweifache Impfung vermutlich immer noch Schutz gegen eine schwere Covid-19-Erkrankung bieten.

Außerdem kündigten Biontech & Pfizer an, dass sie ihre Forschung bezüglich eines neuen Impfstoffs fortsetzen und nannte ein Datum, wann dieser bereitstehen soll. "Die beiden Unternehmen (…) gehen davon aus, den Impfstoff im bis Ende März bereitstellen zu können, sofern eine Anpassung des Impfstoffs für einen höheren sowie langanhaltenderen Schutz notwendig sein sollte", heißt es in der Mitteilung. Die Lieferkapazität für 2022 betrage nach wie vor vier Milliarden Dosen.

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