DFB will Missbrauch von Schmerzmitteln im Fußball untersuchen

Fußball hat die Fähigkeit, die Gemüter – nicht nur von Fußballfans – zu erhitzen und das nicht nur in Zeiten von Corona. Doch Corona hat in den letzten Monaten viele Menschen den Wert der Gesundheit gegenüber Leistung und wirtschaftlichem Erfolg diskutieren lassen. Passend zu dieser Zeit hat das Recherchezentrum „Correctiv“ einen ausführlichen Bericht über den Schmerzmitteleinsatz im Fußball veröffentlicht. In der ARD wird unter dem Titel Geheimsache Doping – „Hau rein die Pille!“ eine begleitende Dokumentation ausgestrahlt.

Wer mal spontan eine Ibuprofen-, Paracetamol- oder Acetylsalicylsäure-Tablette braucht, der hat meist keine Scheu danach zu fragen. Die Einnahme solcher Schmerzmittel wird gesellschaftlich breit toleriert. Mehr noch: Wer regelmäßig an Menstruationsschmerzen oder Kopfschmerzen leidet, von dem wird fast schon erwartet, dass er Schmerzmittel einnimmt – statt sich zu Hause einen Tag ins Bett zu legen. Immer wieder schafft es der eher laxe Umgang mit Schmerzmitteln auch in die Medien – vor allem, wenn es um Sport im Amateurbereich geht, der eigentlich der Gesundheit dienen sollte. Doch immer wieder müssen sich Apotheker „schief“ anschauen lassen, wenn Sie zu oben erwähnten Arzneimitteln eine Beratung anbieten.

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Für Apotheker dürfte es also keine allzu große Enthüllung sein, worüber das Recherchezentrum „Correctiv“ und die ARD aktuell berichten: „Die meisten Profifußballer und viele Amateurfußballer nehmen regelmäßig Schmerzmittel.“ 

Dass jeder dritte Profifußballer einer Untersuchung der FIFA zufolge vor dem Spiel Schmerzmittel einnimmt, das berichtete DAZ.online bereits 2016. 2017 führte Chefredakteur Benjamin Rohrer mit Dr. Ulrich Schleicher, Mannschaftsarzt des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC, ein Interview. Schleicher gab schon damals offen zu, dass auch in Berlin Spieler „fitgespritzt“ werden und auch gelegentlich prophylaktisch Ibuprofen vor den Spielen einnehmen. Allerdings gebe es inzwischen so engmaschige Gesundheitskontrollen, dass ein Arzneimittel-Missbrauch (auch im Bereich der Selbstmedikation) seiner Meinung nach schnell erkannt werden könnte, hieß es damals. Was hat sich seit 2016/2017 verändert?

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Der Recherche von „Correctiv“ und der ARD-Dopingredaktion zufolge nicht viel – was die unsachgemäße Schmerzmitteleinnahme angeht. Allerdings offenbar doch etwas, was die Einschätzung von Fußballprofis, Ärzten und Experten angeht: So kündigte DFB-Präsident Fritz Keller aufgrund der Recherchen von Correctiv und der ARD-Dopingredaktion nun an, den Missbrauch von Schmerzmitteln im deutschen Fußball zu untersuchen.

Und auch sonst gibt es Menschen aus dem Fußballgeschäft, die laut Correctiv die Verwendung von Schmerzmitteln reguliert sehen wollen. So etwa Jiri Dvorak, über zwei Jahrzehnte Medizin-Chef des Weltfußballverbandes FIFA. Er fordere heute: „Schmerzmittel sollten verboten werden, wenn sie nicht medizinisch indiziert sind“.

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