Gedanken zum Chaos um die Grippeschutzimpfungen – ein Lösungsvorschlag

Vorab zwei Fragen: Sind wir uns einig, dass die Impfung gegen Influenza empfehlenswert ist? Und besteht Konsens, dass die Versorgung der Bevölkerung mit Grippeimpfstoff in den letzten Jahren regelmäßig eine groteske Katastrophe war? Wenn beide Fragen mit „ja“ beantwortet werden, dann muss konsequenterweise Frage drei folgen: Warum wird nicht endlich das ganze System neu organisiert? Lesen Sie hier einen Vorschlag von Dr. Ralf Schabik, der sich selbst als Apotheker aus Leidenschaft beschreibt und sich in vielen gesellschaftlichen Gremien ehrenamtlich engagiert.

Jahr für Jahr tobt in den Apotheken und Arztpraxen das Impfstoff-Chaos, wird wertvoller Impfstoff nach Abschluss der Saison auf Kosten der Apotheken und der Umwelt in die Tonne getreten, kommen zusätzlich geradezu kriminelle Retaxationen und Regresse von den Krankenkassen. Und das alles nur, weil diejenigen, für die wir das Theater veranstalten, außen vor sind: Die Patient:innen. 

Denken wir die Grippeimpfung mal grundsätzlich neu: Zum Jahreswechsel schicken die Krankenkassen ihren Versicherten einen Wertscheck „Grippeimpfung“ – mittelfristig das Ganze gerne digital. Diesen Scheck reichen die Versicherten, die sich impfen lassen möchten, in der Vor-Ort-Apotheke ihrer Wahl bis Mitte Februar ein. Die Apotheken sammeln die Schecks und bestellen Ende Februar bei der Industrie die Impfstoffe in der erforderlichen Menge. Welche Impfstoffe? Kein Problem – steht auf den Wertschecks, denn das haben die Krankenkassen vorher mit der Industrie ausgehandelt, einschließlich Preis pro Dosis. Die Industrie hat erstmals Planungssicherheit, produziert die Impfstoffe (plus Überschuss „x“ für Nachzügler) und liefert punktgenau im Oktober an den PhaGro aus, der seinerseits die Apotheken versorgt. Die Patienten holen ihren Impfstoff ab (oder bitten die Apotheke, zu liefern) und gehen in die Arztpraxis ihres Vertrauens. Die Apotheke rechnet die Wertschecks mit den Kassen ab und erhält die Logistikpauschale, der Arzt rechnet seine Leistung ganz regulär über Versichertenkarte ab. Die Kassen überweisen der Industrie die vereinbarte Vergütung. Fertig.

Natürlich stecken in den Details viele Tücken: Insbesondere seitens der Patienten gibt es Unwägbarkeiten. Die sind aber zu definieren – und allesamt lösbar. Keinesfalls hören möchte ich das Argument „Das haben wir ja noch nie gemacht“. Stimmt. Deshalb hatten wir ja auch von Jahr zu Jahr größeres Chaos. Und sich zurückzuziehen auf „kann man den Patienten nicht zumuten“ ist auch keine Option. Warum denn nicht? 

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Wir Apotheken sind in der Lage, Adhärenz zu vermitteln – und die Patienten planen derart viele Begebenheiten im Privatleben, dass sie sich halt daran gewöhnen müssen, ihre Grippeimpfung auch vorzuplanen. Unterstützen kann man die Compliance ja dadurch, dass Patienten, die ihren Wertscheck einlösen, sich dann aber mutwillig nicht impfen lassen, 10 Euro zahlen müssen. Hinfällig wäre durch eine derartige Vorplanung übrigens auch die Notwendigkeit, dass seitens einer Landesregierung „Reserven“ angeschafft werden. Spart viel Geld und vermeidbaren Ärger!

Überlegenswert? Dann sei die Diskussion eröffnet!

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