Kassenärzte-Chef kritisiert deutsche Impfziele: Quoten von 90 Prozent sind Science-Fiction

Informationen zur Coronavirus-Impfung vom 12. Juli 2021

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Kassenärzte-Chef kritisiert deutsche Impfziele: "Quoten von 90 Prozent sind Science-Fiction"

Montag, 12. Juli, 7.06 Uhr: Andreas Gassen hält eine Impfquote von 90 Prozent und auch die vom Robert-Koch-Institut angepeilte Impfquote für unrealistisch. "Wir müssen uns klarmachen, dass Impfquoten von 90 Prozent Science-Fiction sind. Wir werden die niemals erreichen", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung am Sonntagabend im "Bild"-Talk "Die richtigen Fragen".

 

Eine hohe Impfquote würde er bei über 70 Prozent erreicht sehen, so Gassen weiter. Der Kassenärzte-Chef prognostizierte außerdem eine "unsichtbare Wand", gegen die man bei der Impfkampagne irgendwann laufen werde, "weil Menschen sich nicht impfen lassen wollen, weil sie Corona ignorieren oder weil sie Impfungen misstrauen".

Mehr als 42 Prozent der Bevölkerung voll geimpft

13.32 Uhr: In Deutschland sind inzwischen mehr als 42 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Samstag (Stand: 10.35 Uhr) betrug die Quote am Freitag 42,1 Prozent. An dem Tag wurden demnach wie schon zuvor knapp 700 000 Impfungen gezählt. Insgesamt haben bisher 48,4 Millionen Menschen (58,2 Prozent) mindestens eine Impfdosis erhalten, rund 35 Millionen sind vollständig geimpft.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schrieb zu den jüngsten Zahlen auf Twitter: "Das ist gut – aber im Wettlauf mit der Delta-Variante reicht das noch nicht. Impfstoff, um jeden zu impfen, ist nun da. Bitte nutzen Sie es!" Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild Ein Mann wird geimpft.

Unter den Bundesländern liegt Bremen mit einem Anteil von 67,4 Prozent mindestens einmal geimpfter Menschen weiter an erster Stelle; bei den vollständig Geimpften behauptet das Saarland mit 46,6 Prozent seinen Spitzenplatz. Nur Sachsen hat die 50-Prozent-Marke bei den Erstgeimpften bislang nicht erreicht (49,6). Brandenburg ist bei den vollständig Geimpften mit 38,4 Prozent unverändert das Schlusslicht.

Die Impfkampagne gegen den Erreger Sars-CoV-2 hatte in Deutschland Ende vergangenen Jahres begonnen. Zunächst waren Menschen über 80, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und medizinisches Personal an der Reihe. Unter anderem werden auch chronisch Kranke mit erhöhtem Risiko für einen schweren und tödlichen Verlauf bevorzugt geimpft. Mittlerweile können sich Menschen unabhängig von der bisher gültigen Prioritätenliste um einen Termin bemühen.

Bericht: Kaum Impfschwänzer! Impftermine werden meistens eingehalten

12.03 Uhr: In den Bundesländern gibt es einer Umfrage der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zufolge keine massenhaften Absagen von Impfterminen. Flächendeckend ließen nur wenige Deutsche ihre Termine in den Impfzentren platzen, heißt es in dem Bericht. Insgesamt ergebe sich ein entspanntes Bild.

Demnach meldeten die Gesundheitsministerien verschiedener Bundesländer, "keine wesentliche Steigerung", ein "sehr geringes" oder "gleichbleibend niedriges Niveau" oder "keine größeren Terminabsagen". In anderen Ländern erschienen zwischen zwei und sechs Prozent der Leute nicht zum angekündigten Impftermin. Ausreißer bildeten Hessen mit rund 20 Prozent, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz mit rund 15 Prozent. Berlin und Hamburg meldeten keine Zahlen zurück, Bayern erhebe keine.

Von den Arztpraxen gebe es nur vereinzelt Rückmeldungen wegen Terminabsagen, sagte ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung in Bayern. Im Regelfall verhielten sich die Impfwilligen termintreu. Aus Baden-Württemberg heißt es dem Bericht zufolge, dass Schwänzen "eher selten" vorkomme, "nach unseren Erkenntnissen wesentlich seltener als in den Impfzentren".

Am vergangenen Wochenende war eine Debatte über "Impfschwänzer" hochgekocht, die gebuchte Termine nicht wahrnehmen, ohne vorher abzusagen. Berlins DRK-Präsident Mario Czaja hatte Bußgelder ins Spiel gebracht, einige Politiker hatten sich der Forderung angeschlossen.

Von der Leyen: EU liefert Impfstoff für 70 Prozent der Erwachsenen

11.45 Uhr: Die Europäische Union hat mit Ablauf dieses Wochenendes ausreichend Impfstoff an die EU-Staaten ausgeliefert, um noch im Juli "mindestens 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung" einen vollständigen Impfschutz zu sichern. Bis zu diesem Sonntag würden "rund 500 Millionen Dosen in alle Regionen Europas verteilt" sein, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Samstag. In der EU leben rund 366 Millionen Menschen über 18 Jahre. Christian Hartmann/Pool Reuters/AP/dpa EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen spricht im Europäischen Parlament.

Die Pandemie sei nicht besiegt. "Aber wir sind vorbereitet, weiter Impfstoffe zu liefern – auch gegen neue Varianten", sagte von der Leyen. Sie appellierte an die Mitgliedsstaaten, alles dafür zu tun, dass die Impfungen vorankommen. Die bis einschließlich diesen Sonntag erfolgten und geplanten Lieferungen umfassen einem EU-Sprecher zufolge rund 330 Millionen Impfdosen des Anbieters Biontech/Pfizer, rund 100 Millionen von Astrazeneca, 50 Millionen von Moderna und 20 Millionen von Johnson & Johnson.

Landes-Kassenarztchef fordert: Ungeimpfte dürfen nicht mehr reisen

10.27 Uhr: Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung in Rheinland-Pfalz, Peter Heinz, fordert massive Freiheitseinschränkungen für Ungeimpfte: "Die Nicht-Geimpften haben nicht die Freiheit, ihre Maske abzulegen. Sie dürfen nicht ins Stadion, nicht ins Schwimmbad und nicht ohne Maske im Supermarkt einkaufen. Und man darf Ungeimpften und jenen mit nur einer einfachen Impfung nicht mehr gestatten, in den Urlaub zu fahren", sagte er der "Rhein-Zeitung" (Samstag-Ausgabe).

Selbst mit einem negativen Test dürften Ungeimpfte seiner Ansicht nach nicht in den Urlaub fahren: "Das Freitesten schützt ja nicht. Wer zum Beispiel auf eine Insel mit einem negativen PCR-Test fährt, kann sich dort sehr wohl anstecken, fährt wieder nach Hause und ist Virusträger."

"Wer Ungeimpften Freiheiten zurückgibt, verspielt die Chance, alle Menschen mit der Impfung zu erreichen", sagte Heinz. Man müssen den Menschen klarmachen: "Ohne Impfung gibt es keine Freiheiten. Ohne diesen Druck werden wir die Menschen nicht überzeugen." Ungeimpfte seien eine Gefahr für die Gesellschaft und dürften daher nicht die gleichen Freiheiten wie Geimpfte bekommen.

Impfprämien hält Heinz für "absurd". Eine Impfpflicht lehnt er als "Bevormundung" aber ab. Freiheiten nur Geimpften zu geben sei keine versteckte Impfpflicht, "sondern eine zwangsläufige Schlussfolgerung aus einer pandemischen Lage".

WHO: "Wahrscheinlicher Zusammenhang" von mRNA-Impfung und Herzmuskelentzündungen – aber "sehr selten"

22.47 Uhr: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht einen "wahrscheinlichen Zusammenhang" zwischen Corona-Impfungen mit einem mRNA-Vakzin und Herzmuskelentzündungen, die aber "sehr selten" seien. Insgesamt überwiege der Nutzen der Impfung gegenüber den Risiken, erklärte der Ausschuss für Impfstoffsicherheit am Freitagabend in Genf. Dieser hatte zuvor Daten zu Herzmuskelerkrankungen nach Impfungen mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer und Moderna geprüft, die vor allem aus den USA stammen.

Boris Roessler/dpa

"Die berichteten Fälle traten typischerweise innerhalb einiger Tage nach der Impfung auf, etwas häufiger bei jungen Männern und öfter nach der zweiten Impfung mit einem mRNA-Vakzin", erklärte der Ausschuss. Die derzeitige Datenlage deute darauf hin, dass es einen "wahrscheinlichen Zusammenhang" gebe. Dessen ungeachtet "überwiegen die Vorteile einer mRNA-Corona-Impfung gegenüber den Risiken". Es würden Krankenhausaufenthalte und Todesfälle reduziert. Außerdem treten die Fälle den Angaben zufolge "sehr selten" auf.

In den USA sind bereits hunderte Fälle von Herzmuskelentzündungen nach einer Corona-Impfung mit einem mRNA-Vakzin aufgetreten. Es gibt den Verdacht, dass die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna bei jungen Menschen vereinzelt eine Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) oder des Herzbeutels (Perikarditis) verursachen können. Als erstes Land hatte Israel einen möglichen Zusammenhang zwischen diesen Erkrankungen und der Impfung festgestellt. Nachgewiesen wurde ein Zusammenhang bisher nicht.

Biontech und Pfizer verkünden Entwicklung von speziellem Impfstoff gegen Delta-Variante

Freitag, 9. Juli, 12.33 Uhr: Biontech und Pfizer hat am Freitag die Entwicklung eines Impfstoffs verkündet, der speziell auf die Delta-Variante zugeschnitten ist. "Die Unternehmen […] entwickeln eine aktualisierte Version der Pfizer-Biontech COVID-19 Vakzine, die auf das komplette Spike-Protein der Delta-Variante abzielt", schreiben die beiden Hersteller.

Die erste Charge des Impfstoffs ist demnach bereits im Mainzer Werk hergestellt worden. Nach Informationen des "Spiegel" soll es sich um 20.000 Dosen handeln. Die klinischen Studien sollen im August beginnen.

Bereits im Februar 2021 hatte Biontech zusammen mit der Europäischen Arzneimittelagentur EMA under US-amerikanischen Behörde FDA ein Blueprint-Projekt gestartet, bei dem der Impfstoff beispielhaft dem Spike-Protein der Beta-Variante angepasst wurde. Das Spike-Protein ist von spezieller Wichtigkeit, weil das Virus mit seiner Hilfe an menschliche Zellen andockt. Ergebnisse des Projekts sind bislang nicht bekannt.

Allgemein sei es laut Biontech einfach, den Impfstoff Comirnaty an Mutationen des Virus anzupassen. Dazu müssen nur einige Bestandteile der mRNA verändert werden – weitere Herstellungsschritte sowie Liefer- und Verteilungsketten bleiben bestehen.

Die meiste Zeit muss aller Voraussicht nach für Genehmigungsverfahren eingeplant werden. Bei Comirnaty dauerte dieses siebeneinhalb Monate. Für einen nur in Details veränderten Impfstoff könnte dieses Verfahren, das sogenannte "Rolling Review" aber noch einmal beschleunigt werden.

 

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