Neue Dienstleistung aus Apotheken in Schleswig-Holstein

Pharmazeutische Dienstleistungen werden endlich konkret. Apotheken in Schleswig-Holstein können ab dem 1. April 2021 eine neue Leistung anbieten und sind dabei in ein interdisziplinäres Konzept eingebunden. Im Projekt „QT-Life“ sollen DAK-Versicherte mit bestimmten Arzneimittelverordnungen mithilfe von EKG-Sensoren auf Verlängerungen der QT-Zeit untersucht werden. Das Gemeinschaftsprojekt wird vom Innovationsfonds der GKV finanziert und verbindet Apotheker, Ärzte, die DAK-Gesundheit und weitere Partner.

Der Hintergrund des Projekts „QT-Life“ ist die seltene, aber bedrohliche Nebenwirkung der Verlängerung der QT-Zeit im EKG, die bei einigen Arzneimitteln auftreten kann. Beispiele sind Amiodaron, Procainamid, Sotalol und einige Antibiotika. Besonders problematisch sind Kombinationen solcher Arzneimittel. Dabei drohen Herzrhythmusstörungen vom Typ der Torsade-de-Pointes-Tachykardie mit Krampfanfällen, Schwindel und Synkopen. Schlimmstenfalls können sie zum plötzlichen Herztod führen. Solche Fälle anhand eines EKG rechtzeitig zu erkennen und damit die gefährlichen Folgen zu verhindern, ist das gemeinsame Ziel der Projektpartner.

Gemeinschaftsprojekt mit Finanzierung vom Innovationsfonds

Dafür haben der Apothekerverband Schleswig-Holstein, die Ärztegenossenschaft Nord, die DAK-Gesundheit, drei kardiologische Zentren, die Nambaya GmbH als Technologiepartner, das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und das SmartStep Data Institute als Konsortialführer ein Konzept entwickelt und damit den beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) angesiedelten Innovationsfonds der Gesetzlichen Krankenversicherung überzeugt. Das Projekt wird vom Innovationsfonds mit 3,1 Millionen Euro im Bereich „Neue Versorgungsformen“ gefördert. Das Angebot an die Patienten soll am 1. April 2021 beginnen und ein Jahr lang bestehen. Danach wird das Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen der Uniklinik Hamburg-Eppendorf unter Leitung von Professor Matthias Augustin die Ergebnisse evaluieren. Die Ergebnisse des Projekts soll dabei mit Regionen verglichen werden, in denen dieses Screening nicht durchgeführt wird.

Das Gemeinschaftsprojekt wird also nicht nach den neuen Regeln des Vor-Ort-Apothekenstärkungsgesetzes finanziert. Das Geld kommt aus einem anderen Topf. Außerdem steht die Zusammenarbeit mit anderen Projektpartnern im Mittelpunkt. Dennoch ist zu erwarten, dass die neue Dienstleistung aus Apotheken in Schleswig-Holstein die bundesweite Diskussion über pharmazeutische Dienstleistungen beeinflussen wird. Während die ABDA die Kandidaten für solche Dienstleistungen noch immer geheim hält, bereiten sich Apotheken in Schleswig-Holstein bereits auf eine konkrete neue Aufgabe vor.

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