Seit einer Woche unter Quarantäne – Situation auf "Diamond Princess" spitzt sich zu

Seit nunmehr einer Woche steht das riesige Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ im Hafen der japanischen Millionenstadt Yokohama unter Quarantäne. Ein Passagier, der mit dem Luxusliner von Yokohama nach Hongkong gereist war, war nach seiner Reise positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Nach der Rückkehr des Schiffes nach Yokohama am 5. Februar waren deshalb auch Passagiere und Besatzung auf Symptome untersucht worden. Bei zehn Menschen war der Test auf das Virus positiv ausgefallen, wie die Reederei Princess Cruises berichtete.

Seitdem sind insgesamt 174 Menschen an Bord der „Diamond Princess“ mit Covid-19, wie der Virus inzwischen offiziell heißt, infiziert worden. 40 dieser Fälle wurden in der Nacht zu Mittwoch bestätigt. Darunter soll auch ein japanischer Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sein, wie die Reederei und japanische Medien berichten. Vier Passagiere hätten schwerwiegende Symptome, berichtet die Zeitung „Asahi Shimbun“. Diejenigen, die positiv getestet wurden, seien in Krankenhäuser gebracht worden.

Frustration macht sich unter den Passagieren breit

Von den rund 3700 Menschen an Bord sind laut der Zeitung bislang 493 Menschen auf das Virus getestet worden. Die Regierung Japans erwägt demnach, alle Menschen auf dem Schiff testen zu lassen. Zu Beginn hatte das Ministerium die Tests nur auf Personen beschränkt, die Symptome wie Fieber aufwiesen sowie auf solche, die engen Kontakt mit Infizierten hatten.

Durch die steigende Zahl an Infizierten und die Quarantäne verbreiten sich Medienberichten zufolge an Bord Unzufriedenheit und Angst. Eine Gruppe von Passagieren habe sich in einem Brief an das Gesundheitsministerium gewandt. In dem Schreiben fordern sie unter anderem eine bessere Kommunikation, um Wünsche und Bedürfnisse der Passagiere weiterzutragen.

Banner wurden am Deck der „Diamond Princess“ befestigt

An der Bordwand der „Diamond Princess“ seien zudem offenbar von Passagieren Banner aufgehängt worden, auf denen unter anderem „Helft uns“ zu lesen war, wie die Zeitung „Mainichi Shimbun“ berichtet. Passagiere würden sich über unzureichende Informationen und mangelnde Hygiene beschweren, schreibt die Zeitung weiter. So würden etwa die Kabinen nicht gereinigt und die Bettwäsche nicht gewechselt werden. Die meiste Zeit müssten die Menschen in ihren Kabinen verbringen. Laut der Rederei Princess Cruises wurden nach Beginn der Quarantäne unter anderem neue TV-Kanäle, Filme, Zeitungen und Spiele bereitgestellt, um „ihren Komfort und ihr Wohlergehen“ sicherzustellen.

Medizinische Versorgung an Bord offenbar nicht ausreichend

Auch bei der medizinischen Versorgung soll es haken. Ein Passagier erzählte der Nachrichtenagentur Kyodo: „Wir bekommen keine vollständige medizinische Versorgung, obwohl es viele Menschen gibt, deren Gesundheit sich verschlechtert.“ Es seien 29 Ärzte, 18 Pflegekräfte und zwölf Apotheker an Bord, so die „Asahi Shimbun“. Es gebe aber einen Mangel an Medikamenten. Das Gesundheitsministerium stellte laut Zeitung ausreichend Medikamente zur Verfügung, um etwa 1250 Menschen gegen Diabetes, Herzerkrankungen und andere Krankheiten zu behandeln. Es fehlten aber noch Medikamente für 600 Menschen.

"Diamond Princess" unter Quarantäne

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Inzwischen erwäge das japanische Gesundheitsministerium, dass man ältere Passagiere mit Vorerkrankungen vor Ende der Quarantäne am 19. Februar von Bord lasse, berichtete Kyodo. Mehr als 80 Prozent der Passagiere seien über 60 Jahre alt.

Auch die Besatzungsmitglieder stünden unter enormen Druck, erklärte Sho Takahashi, Professor an der medizinischen Fakultät der Universität Tsukuba. Sie seien doppeltem Stress ausgesetzt, da sie sich sowohl weiter um die Passagiere kümmern als auch die Angst vor dem Virus mit sich tragen würden, sagte er der „Japan Times“. Frust der Passagiere könnte sich auf die Besatzung entladen. Passagiere hätten berichtet, dass das Personal „total erschöpft“ sei.

Coronavirus: Massentests für alle?

Eine Erlösung für die vielen Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord könnte ein schneller Tests für alle sein. Doch ein solcher Massentest wäre eine logistische Herausforderung. Das Gesundheitsministerium teilte dazu mit, dass zu viele Menschen an Bord seien, wie „Asahi Shimbun“ berichtet. Das Ministerium habe staatliche und kommunale Gesundheitsinstitute sowie private Testfirmen und Universitätskliniken aufgefordert, zu überprüfen, ob es möglich ist, ein System einzurichten, mit dem jeder an Bord des Schiffes schnell getestet werden könne.

Laut Ministerium könnten 1500 Menschen an einem Tag getestet werden, wenn sämtliche Testgeräte des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten und der regionalen Gesundheitsinstitute verwendet werden würden. Doch die Kosten wären hoch, wie ein Ministeriumsmitarbeiter der „Asahi Shimbun“ sagte: „Die Tests bei privaten Unternehmen kosten viel. Regionale- und kommunale Gesundheitsinstitute haben wenig Erfahrung mit dem Testen dieses neuen Coronavirus. Ich bin nicht sicher, ob es möglich ist, so viele Leute zu testen.“

Yoshiaki Katsuda, Professor an der Universität Kansai befürchtet: „Es würde eine Menge Test-Kits verbrauchen, was bedeutet, dass wir bei einem weiterem Ausbruch in Japan möglicherweise nicht in der Lage sind, schnell zu handeln.“ Japans Premierminister Shinzo Abe sicherte unterdessen zu, die Regierung werde die Kapazität der Virentests – derzeit maximal 300 pro Tag – bis zum 18. Februar auf über 1000 erhöhen, berichtet Kyodo.

Quellen: „Asahi Shimbun“, „Mainichi Shimbun“, Nachrichtenagentur Kyodo, „The Japan Times“, NHK, Princess Cruises

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