Spirulina und AFA – die „blauen Wunder“

Spirulina-Produkte gibt es in Deutschland bereits seit den 1970er-Jahren auf dem Markt. Sie wurden zunächst als „Wundermittel zum Abnehmen“ gepriesen. Später schrieb man der Mikro-Blaualge, die eigentlich ein Bakterium ist, Wirkungen gegen Krankheiten aller Art zu. In den vergangenen Jahren drängte die AFA-Alge machtvoll auf den Markt der Nahrungsergänzungsmittel – angetrieben durch einschlägige „Gesundheitsratgeber“. AFA-Algen sollen das „Gute-Laune-Mittel“ schlechthin sein, ein „Brainfood“ vor allem für konzentrationsgestörte Kinder, aber auch für Alzheimer-Kranke. Wie sieht es aus mit Fakten zu den Mikroalgen Spirulina und AFA? Lassen sich ihre angeblichen Heilkräfte belegen?

Bei der auch als Blaualge bekannten Mikroalge Spirulina handelt es sich um Cyanobakterien. Diese siedeln in alkalischen, mineralstoffreichen Salzseen oder in flachen salzhaltigen Gewässern, hauptsächlich in subtropischen bis tropischen Regionen. Sie kommen aber auch im Süßwasser vor. Das Bakterium bildet mehrzellige fadenförmige Proteinstrukturen aus, die sich deckenartig auf dem Wasser ablagern. Weil diese Ablagerungen rein äußerlich wie Algen aussehen, werden sie trotz ihres bakteriellen Ursprungs traditionell noch immer zu den Algen gezählt. Für die gewerbliche Nutzung produziert man Spirulina heute in Aquakulturen.

Beratungswissen

Superfood

In Indien und im afrikanischen Burkina Faso verwenden die Menschen Spirulina schon immer als Nahrungsmittel. Anders als die Mikroalge Chlorella hat Spirulina keine Zellulosewände. Daraus wird abgeleitet, dass die Inhaltsstoffe der Zelle besonders gut bioverfügbar sind. In getrockneter Form besteht Spirulina zu 60 Prozent aus Protein und punktet mit einem hohen Gehalt an Eisen, Magnesium, Selen, Betacarotin, Folaten und Vitamin B12, das allerdings in einer für den Menschen nur zu 80 Prozent verwertbaren Form vorliegt.

Zweifelhafte Versprechen

In Europa kam Spirulina vor einigen Jahrzehnten als Mittel der Alternativmedizin auf den Markt, anfangs vor allem als „Wundermittel“ zum Abnehmen. Inzwischen gibt es in Gesundheits- und Online-Shops eine riesige Palette an Spirulina-Nahrungsergänzungsmitteln in Form von Tabletten, Presslingen, Pulvern oder Flocken. Das Marketing ist sehr kreativ, was die Produktnamen betrifft: So findet man „Magic Blue“, „Hawaiin Spirulina“ oder „Earthrise Spirulina Powder“, alles auch in den Varianten vegan und koscher, Natur, Bio und pflanzlich sowieso. Ein Bakterium als pflanzlich zu bezeichnen, ist jedoch eigenwillig.

Auch wenn die Hersteller dieser Präparate nicht mit Gesundheitsversprechen werben dürfen, findet man solche in Hülle und Fülle – meist als persönliche Erfahrungsberichte in Internetforen oder als redaktionelle Beiträge von Gesundheitsmagazinen. So soll Spirulina den Alterungsprozess verlangsamen, das Immunsystem stärken, vor Viren und Krebs schützen und natürlich generell „entgiften“. Es soll weiterhin allergische Reaktionen abmildern, Blutfette und Blutdruck senken, sich positiv auf den Blutzucker auswirken und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern. 

Protein ja, aber in der richtigen Menge

Sofern es überhaupt Studien gibt, so handelt es sich um Labor- bzw. Tierversuche. Wissenschaftlich belastbare Studien, die gesundheitsfördernde Effekte von Spirulina beim Menschen beweisen, liegen nicht vor. Der in Werbeaussagen immer wieder betonte hohe Proteingehalt relativiert sich ganz schnell, wenn man die empfohlene Tagesdosis von zwei bis vier Gramm einer Spirulina-Zubereitung ins Verhältnis setzt zu der täglich benötigten Proteinmenge. Diese beträgt 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht bei Erwachsenen bis 65 Jahren, also 56 Gramm bei einem Körpergewicht von 70 Kilogramm.  

Wichtig zu wissen:  Spirulina ist nicht geeignet für Personen mit Phenylketonurie, da die Mikroalge Phenylalanin enthält. Auch Allergien auf Spirulina-Produkte kommen vor. Außerdem bindet Spirulina Eisen, sodass es möglicherweise zu einer Eisenunterversorgung kommen kann, wenn man es mit dem Verzehr übertreibt.

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