Testzentren: Keine Lösung für die Pandemie

Es wird aktuell viel geredet und geschrieben über Testzentren, vor allem wenn diese mit oder durch Apotheker:innen betrieben werden. Um Missverständnissen vorzubeugen: Diese Angebote sind lobenswert und ein wichtiger Beitrag bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Allerdings: Sie werden uns nicht spürbar voranbringen. Ein Gastkommentar von Apotheker Dr. Alexander Zörner.

Jeder durchgeführte Test ist besser als ein Test, der nicht durchgeführt wird. Um die Infektionszahlen nachhaltig zu senken, müsste sich allerdings ein Großteil der Bevölkerung, v.a. diejenigen mit unverzichtbaren (beruflichen) Kontakten, mindestens zwei Mal pro Woche per Schnelltest testen (lassen). Dieser Ansatz folgt der Idee des „public health screening“, bei dem es weniger um individuelle (medizinische) Einzeldiagnosen geht, sondern um das große Ganze, das Infektionsgeschehen insgesamt. Vor Monaten schon machte der Harvard-Epidemiologe Michael Mina mit Kollegen dieses Konzept publik, in Deutschland bemüht sich der ehrenamtliche Thinktank RapidtestsDE um die Umsetzung.

Mehr zum Thema

Änderung der Corona-Testverordnung: ÖGD kann Apotheken mit PoC-Test beauftragen / ABDA kritisiert geringe Vergütung

Apotheken werden in Teststrategie eingebunden

Pandemiebewältigung

Antigen-Test

Zur Erinnerung: Antigen-Schnelltests sind ein Test auf Infektiosität, nicht auf Vorliegen einer Infektion! Wenn sich alle Ansteckenden selbst als solche identifizieren (können) und isolieren, gehen die Fallzahlen automatisch runter. Man braucht kein Mathegenie zu sein, um festzustellen, dass für diesen Ansatz Riesenmengen von Schnelltests nötig wären. Es müssten in Deutschland pro Woche an die 100 Millionen Tests gemacht werden. Die Kosten für diese Tests über einige Wochen wären dabei trotzdem nur ein Bruchteil dessen, was uns ein Lockdown schon seit Monaten kostet. Aber mit wie vielen Testzentren müssten wir die Republik für diese Mengen vollpflastern? Und wie viele Arbeitnehmer:innen würden denn tatsächlich zweimal pro Woche vor oder nach der Arbeit ein Testzentrum ansteuern um dort einen Schnelltest durchführen zu lassen? Nicht genug, um einen Effekt zu erzielen. Für den Ansatz „public health screnning“ sind einzig günstige und zuverlässige Schnelltests für die Selbsttestung hilfreich und geeignet. Ergänzend braucht es natürlich eine Informationskampagne und Vertrauen. Es wäre eine gute Möglichkeit, nicht immer nur an das Verantwortungsbewusstsein aller zu appellieren, sondern auch ein hilfreiches, wirksames Instrument gleich mitzuliefern.

Testzentren und professionell durchgeführte Schnelltests sind dann sinnvoll, wenn es um das sogenannte „entry screening“ geht. Dabei steht die Absicht, einen Zugang nur für nicht ansteckende Personen zu ermöglichen, im Vordergrund. Hier braucht es geschultes Personal, um zuverlässige Testergebnisse zu produzieren. Pflegeheimbesuche, Begleitung ins Krankenhaus, vielleicht auch bald der Friseurbesuch wären hierfür Beispiele. Hier sollten sich Apotheken, wenn möglich weiterhin einbringen.

Für Schulen und Kitas, insbesondere das Personal, sind hingegen ebenfalls Selbsttests die richtige Lösung. Sie sind z. B. im Schulkontext nachgewiesener Weise praktikabel. Und hier könnten Apotheken auch eine wichtige Rolle übernehmen! Denn mit der Anlieferung einer Palette Schnelltests ist keiner Schule und keiner Kita geholfen. Es braucht ein Konzept, gute Schulung und dauerhafte Unterstützung im Verlauf. Hier können Apotheken sich einbringen und vor Ort z.B. „Patenschaften“ mit Bildungseinrichtungen übernehmen. Natürlich müssten solche „Patenschaften“ auch vergütet werden – aber da wären die Mittel sinnvoller investiert als in teure, aufwendige Testzentren, die bald hoffentlich keiner mehr benötigt.

Quelle: Den ganzen Artikel lesen