"Vorbild zu sein, ist keine Rechtsverpflichtung": Arbeitsrechtler verteidigt Kimmich

Der Impfstatus von Nationalspieler Joshua Kimmich wird den Bayern-Star nach Einschätzung des Arbeitsrechtlers Gregor Thüsing nicht daran hindern, weiter im Profifußball anzutreten. Zwar müsse sich der 26-Jährige vor den Partien auf Corona testen lassen, für eine Impfung bestehe aber keine rechtliche Verpflichtung, sagte der Professor für Arbeitsrecht an der Universität Bonn der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Anders sei das etwa bei Zuschauern. Ihnen kann nach aktueller Gesetzeslage der Zutritt zum Stadion verweigert werden, wenn sie weder genesen noch geimpft sind.

Mittelfeldspieler Kimmich hatte am Samstag nach dem Heimsieg der Bayern gegen Hoffenheim im TV-Sender Sky bestätigt, dass er noch ungeimpft sei. Es gebe "ein paar Bedenken – gerade, was fehlende Langzeitstudien angeht", erklärte der Profi des FC Bayern München. Fachleute halten diese für unbegründet. Gleichzeitig schloss Kimmich eine Impfung nicht grundsätzlich aus. Es sei "sehr gut möglich, dass ich mich in Zukunft impfen lasse", sagte er.

Corona-Pandemie


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"Er wäre freilich ein Vorbild, wenn er das tun würde. Aber Vorbild zu sein, ist nun mal keine Rechtsverpflichtung, sondern eine eher moralische Verpflichtung", sagte Thüsing. Auch nach Einschätzung des Arbeits- und Sportrechtlers Martin Schimke fehlt den Vereinen die Rechtsgrundlage, um ihre Profis zur Impfung zu verpflichten. Das könne sich erst im Fall einer gesetzlichen Impfpflicht oder zumindest einer Pflicht für die entsprechende Berufsgruppe ändern.

Kritik am Medientsunami um Joshua Kimmich

Auch der Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, äußerte sich zu dem Fall. Er kritisierte die Debatte um Kimmichs Impf-Status als "grenzenlosen Unfug". "Es ist die persönliche Entscheidung von Kimmich und die soll es auch bleiben", sagte Mertens der "Bild"-Zeitung. "Wir würden nie darüber sprechen, wäre er als Fußball-Profi nicht derart exponiert", fügte er hinzu.

Bayern-Ehrenpräsdent Uli Hoeneß sieht die Medien als Triebfeder der heftigen Impf-Debatte um Kimmich. "Sie sind doch verantwortlich für den Tsunami", sagte der 69-Jährige am Rande der Premiere der Doku-Serie "FC Bayern – Behind The Legend", die ab November bei Amazon Prime Video gezeigt wird, zu den Reportern. Dass sich Kimmich wie wohl auch einige weitere Münchner Profis noch nicht impfen ließ, mochte Hoeneß nicht kommentieren. "Der einzige, mit dem ich in diesem Zusammenhang rede, ist der Joshua selbst", sagte der ehemalige Vereinspräsident. Er habe aber eine Meinung dazu.

Stiko-Chef Mertens rief dazu auf, Impf-Skeptiker und Menschen mit Bedenken zu überzeugen, statt sie unter Druck zu setzen. "Überzeugungsarbeit ist oft langwierig, aber ich glaube, dass man so noch viele Menschen für die Impfungen gewinnen kann. Formalen Druck auf Ungeimpfte habe ich immer kritisch gesehen", sagte Mertens.

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