Wieder Keime in Berliner Charité – Sind die Vierlinge von Annegret R. in Gefahr?

Nach 2012 sind an der Berliner Charité erneut Darmkeime aufgetaucht. Gefährlich sind sie für geschwächte Neugeborene: Betroffen ist ausgerechnet die Station, auf der auch die Vierlinge der 65-jährigen Annegret R. versorgt werden.

  • Darmkeime auf Säuglingsstation der Berliner Charité.
  • Fläschchenwärmer als Auslöser vermutet.
  • Zustand aller betroffenen Kinder ist stabil.

Bereits 2012 hatte die Berliner Charité mit Keimen zu kämpfen. Damals waren mehrere Frühchen und Säuglinge mit Serratien-Keimein infiziert worden. Der Tod eines infizierten Babys, der allerdings durch eine Herz-OP eintrat, hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Jetzt sind die Darmkeime zurück!

Betroffen ist die Station am Campus Virchow-Klinikum im Bezirk Wedding, auf der auch die Vierlinge der 65-jährigen Annegret R. versorgt werden. Auf der dortigen Neugeborenen-Intensivstation werden inzwischen keine weiteren Frühgeborenen mehr aufgenommen, sie müssten auf andere Standorte und Krankenhäuser ausweichen. Das teilte das Klinikum am Donnerstag mit.

"Konsequente Barrieren" zum Schutz gesunder Kinder

Die Kinder von Annegret R. lägen allerdings räumlich getrennt von den fünf Babys, bei denen der Keim Serratia marcescens nachgewiesen worden sei. Erste Fälle gab es bereits am 13. April, den letzten am 23. Mai, wie der stellvertretende Leiter der Klinik für Neonatologie, Prof. Christof Dame, sagte.

Er betonte, dass vom Keim betroffene und nicht betroffene Babys von verschiedenen Pfleger- und Ärzte-Teams betreut würden. Es gebe "konsequente Barrieren", um die insgesamt acht anderen Kinder auf der Station zu schützen. Normalerweise hat die Station 16 Betten, diese würden nun nicht alle ausgelastet.

Zustand der betroffenen Kinder stabil

Der Zustand der betroffenen Kinder sei "trotz ihres insgesamt sehr hohen Risikos" stabil, hieß es in einer Klinikmitteilung. Sie hätten extrem niedriges Gewicht oder schwere Begleiterkrankungen. Drei der Kinder hatten sich mit dem Keim infiziert und Lungenentzündungen bekommen, bei einem weiteren war es zu einer örtlichen Entzündung am Auge gekommen. In allen Fällen habe ein Antibiotikum angesprochen.

Beim fünften Kind wurden die Keime bereits bei der Aufnahme in der Charité festgestellt: Es war vorher am Herzen operiert worden und liege nun von den anderen vier Betroffenen getrennt, auch bei ihm seien die Entzündungsanzeichen bereits weg. Ob die Keimstämme übereinstimmten, zeige sich in den nächsten Tagen, sagte Dame. Die Fälle seien den Behörden sofort gemeldet worden.

Fläschchenwärmer könnten Keime übertragen haben

Als möglichen Übertragungsweg vermuten die Charité-Experten Fläschchenwärmer, wie Dame weiter erläuterte. Sie hätten vor Beginn des Ausbruchs von Eltern wie von Pflegern genutzt werden können. Auf Oberflächen halte sich der Keim lange, aber auch 20 Prozent der normalen Bevölkerung trage Serratien. Zum jüngsten Fall vom 23. Mai gebe es noch weitere Untersuchungen.

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