Jedes dritte neugeborene Mädchen wird 100 Jahre alt

Wenn heute jemand 100 Jahre alt wird, kommt häufig der Bürgermeister zum Gratulieren vorbei. Künftig werden sie dafür extra jemanden einstellen müssen. Laut einer Berechnung des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock wird mehr als jedes dritte Mädchen, das in diesem Jahr geboren wird, seinen 100. Geburtstag feiern. Die Zahlen liegen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland vor.

Demnach werden 77 Prozent der neugeborenen Mädchen ihren 90. Geburtstag erreichen. Ihren 80. Geburtstag erleben sogar 92 Prozent. Die durchschnittliche Lebenserwartung neugeborener Frauen geben die Rostocker Forscher mit 94,8 Jahren an. „Ein Alter von 90 wird in Zukunft völlig normal“, sagt Dmitri Jdanov, verantwortlicher Wissenschaftler am Max-Planck-Institut.

Männer werden zukünftig im Schnitt etwa 88,6 Jahre alt

Von den heute geborenen Jungen darf mehr als jeder Zehnte (11 Prozent) auf das Erleben des 100. Geburtstages hoffen. 59 Prozent der in diesem Jahr neugeborenen Jungen werden ihren 90. Geburtstag erreichen, 84 Prozent den 80. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung gibt das Max-Planck-Institut mit 88,6 Jahren an.

Die Forscher stützten ihre Berechnungen auf Prognosen der Uno. Diese unterstellen, dass die aktuellen Fortschritte bei der Lebenserwartung weiterhin anhalten werden. Ob die Werte am Ende auch wirklich erreicht werden, ist deshalb unsicher. Eine wichtige Rolle wird laut den Forschern auch spielen, wie sich das Rauch- und Trinkverhalten in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird.

Insgesamt sind sich die Forscher jedoch sicher, dass die Lebenserwartung steigen wird, auch für ältere Generationen:

  • So werden laut den Prognosen 81 Prozent der heute 50-jährigen Frauen ihren 80. Geburtstag feiern. Von den gleichaltrigen Männern schaffen das 70 Prozent.
  • Jede Zweite der heute 50-jährigen Frauen wird mindestens 90 Jahre alt, 12 Prozent mindestens 100.
  • Von den heute 50-jährigen Männern darf etwa jeder Dritte (36 Prozent) auf das Erreichen des 90. Geburtstages hoffen. Den 100. Ehrentag erleben laut der Prognose noch drei Prozent der heute 50-jährigen Männer.

Dass Frauen im Schnitt deutlich länger leben als Männer, ist seit Langem bekannt. Einige der Unterschiede lassen sich genetisch erklären. So sorgen etwa mit dem X-Chromosom verbundene Prozesse dafür, dass Mädchen ein stärkeres Immunsystem haben und das Kleinkindalter häufiger überleben. Auch die Lebensumstände spielen eine Rolle. Männer haben häufiger riskante Jobs und sind dadurch häufiger von Unfällen betroffen. Leiden Männer und Frauen unter den gleichen Krankheiten, holen sich Männer zudem in der Regel später Hilfe. (Mehr dazu lesen Sie hier).

Die steigende Lebenserwartung in Deutschland stellt das Gesundheits- und Rentensystem vor Herausforderungen. Wer länger lebt, ist auch länger krank. Laut einer Lancet-Studie, die auf einer anderen Datengrundlage basiert als die aktuelle Analyse des Max-Planck-Instituts, hatten Menschen, die 2013 geboren wurden, beispielsweise eine Lebenserwartung von 80,7 Jahren. Gesund sind sie davon aber lediglich 68,8 Jahre. (Mehr dazu lesen Sie hier.) Durch die steigende Lebenserwartung steigt auch die durchschnittliche Rentenbezugsdauer. Im Jahr 2017 bekam jeder Ruheständler fast 20 Jahre lang Rente, im Jahr 1997 waren es nur knapp 16 Jahre.

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